Die Selbständigkeit fördern
Die Erziehung zur Selbstständigkeit ist ein wesentlicher und sehr wichtiger Bestandteil der Erziehung. Das Kind selbst pendelt im Laufe seiner Entwicklung immer zwischen den Polen Autonomie und Abhängigkeit hin und her. Dabei verschiebt sich das Gewicht mit zunehmendem Alter immer mehr hin zu Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.
Die Eltern können mit dieser Entwicklung teilweise nicht Schritt halten und ersticken so, ohne es zu merken, die Ansätze zu einem selbstbestimmteren Leben. Das kann durch übermäßige Besorgtheit und Überbehüten geschehen oder durch zu starkes Verwöhnen und das Bestreben, dem Kind zu viele Dinge abzunehmen.
Verwöhnen ist für die kindliche Entwicklung sogar gefährlich, es wirkt ebenso schädlich wie Deprivation, das heißt Vernachlässigung. Wenn Kinder nie für sich selbst einstehen mussten, dann fällt es ihnen im Erwachsenenalter oft schwer, ein eigenständiges Leben zu führen, aber auch sich im Job einzuordnen und eigene Bedürfnisse zurückzustellen.
Wenn ein Kind sich in der Welt erprobt und erkennt: ich kann mich in dieser Welt auch ohne Eltern bewähren, dann nimmt sein Selbstvertrauen massiv zu.
Viele Eltern beklagen, dass ihre hochbegabten Kinder zu wenig Selbstvertrauen haben. In der Förderung der Eigenständigkeit liegt ein wichtiger Schlüssel zu gesundem Selbstvertrauen.
Tipps für Eltern:
Lassen Sie das Kind möglichst oft beim Einkaufen und Essen gehen selbst bestel-len.
Das Kind kann, je nach Alter, kleine Besorgungen machen, beispielsweise beim Nachbarn Mehl ausleihen oder zum nahe gelegenen Laden alleine einkaufen ge-hen.
Geben Sie ängstlichen Kindern Mutpunkte, wenn sie sich etwas Neues trauen.
Freuen Sie sich mit dem Kind über seine Selbstständigkeit, statt sie als Affront zu sehen (denken Sie nicht: „Jetzt braucht mich mein Kind nicht mehr!“)
Wenn das Kind etwas wissen will, mit dem Sie sich nicht auskennen, überlegen Sie gemeinsam, wie es an das Wissen kommen könnte („Du könntest deinen Onkel fragen, er weiß da Bescheid, rufe ihn doch an!“)
Hinterfragen Sie Aussagen wie: „Kinder können doch noch nicht allein … Das ist zu gefährlich, es gibt mehr Gewaltverbrechen an Kindern als früher.“ Die Statisti-ken sagen anderes!
Lassen Sie Ihr Kind oft mit entscheiden. Fragen Sie es nach seiner Meinung und seinen Bedürfnissen.
Fragen Sie Ihr Kind danach, was es einmal alleine probieren möchte. Finden Sie dann gemeinsam eine für Sie selbst ebenfalls passende Möglichkeit.
Bindung aufbauen und einen sicheren Hafen bereitstellen
"Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel."
Dieses Zitat wird oftmals Wolfgang von Goethe zugesprochen. Aber gleichgültig, von wem es stammt – einen wahren Kern beinhaltet es auf alle Fälle.
Um selbstständig zu werden, sich selbst in der Welt entfalten und eigene Spuren auf der Erde hinterlassen zu können, benötigen Kinder ein gesundes Grund- und Urvertrauen als Fundament ihrer Persönlichkeitsentwicklung.
Ihr Kind lernt hierbei seine Umwelt als „sicheren Hafen“ kennen, von dem aus es später „in die Welt hinaussegeln“ kann.
Natürlicherweise bauen Eltern dieses Urvertrauen in den ersten Lebensjahren ihres Kindes auf, indem sie ihr Kind mit Liebe, Wärme und Geborgenheit umgeben.
Aber auch andere Menschen mit enger Bindung zum Kind sind in der Lage, diesen sicheren Hafen entstehen zu lassen, der Voraussetzung für künftige positive Lebenseinstellung, Beziehungsfähigkeit und ein gesundes Selbstwertgefühl ist.
Was unterstützt den Bindungsaufbau?
- Versuchen Sie ein durch Schreien geäußertes Bedürfnis Ihres Babys zu erkennen und gehen Sie darauf ein.
- Geben Sie Ihrem Baby viel Liebe – es kann nicht zu viel sein!
- Beschäftigen Sie sich intensiv mit Ihrem Kind.
- Häufiger Haut- und Körperkontakt.
- Achten Sie auf klare, sinnvolle Regeln, damit das Kind weiß, woran es ist.
- Agieren Sie mit Gelassenheit.
- Halten Sie sich an Versprechungen und Abmachungen.
- Verhalten Sie sich authentisch: Worte, Taten und Gesten müssen zusammenpassen.
- Entschuldigen Sie sich, wenn Ihnen ein Fehler unterlaufen ist.
- Nehmen Sie bei Problemen externe Hilfe von Psychologen etc. an!